Niebel spinnt mal wieder

Samstag, 1 Januar 2011, 19:08 | Category : Personen, Politik
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Guido Westerwelle ist also der “beste Vorsitzende, den die FDP je hatte”, meint Dirk Niebel. Mal abgesehen davon, dass es schon sehr mutig ist, Westerwelle über weitsichtige Männer wie Thomas Dehler, Walter Scheel oder Hans-Dietrich Genscher zu stellen, ist es auch schlicht und einfach unangemessen, ein solches Fazit ziehen zu wollen, während der Genannte noch in Amt und Würden ist.

Aber das ist Dirk Niebel: Einfach mal die Axt in den Wald werfen und gucken, ob man einen Baum fällt oder ob jemand verwundet aufschreit. Immer etwas laut, manchmal etwas lächerlich, selten wirklich ernstzunehmen.

10 Comments for “Niebel spinnt mal wieder”

  1. 1Markus Ritter

    Dirk Niebel betrachtet das halt aus der Warte eines Menschen, bei dem schon der Wahlsieg das Maximum des Erfolgs ist, nicht die Politik, die danach gemacht wird. Aus der Warte hat er recht: Noch nie gab es so viele FDP-MdL und FDP-MdB, noch nie so viele Minister, Staatssekretäre und sonstige Regierungsstellen, die von der FDP gestellt werden.
    Dass für den Wähler und das einfache FDP-Mitglied der Wahlsieg erst der Startschuss ist und nicht die Zielgerade, ist ihm irgendwie aus dem Blick geraten.

  2. 2linksundliberal

    Gut möglich.

  3. 3John Dean

    Niebel ist ein treuer Vasall Westerwelles. So sehe ich das. Und als solcher sieht er es im Augenblick als seine Pflicht an, seinen Herren zu bejubeln. Ich kann mir nicht helfen, Niebel wirkt auf mich immer ein wenig peinlich, pardon. Und der Allerschlaueste ist er auch nicht gerade. Niebel halt, dessen Vasallentreue sich im Fall des Vorsitzendenwechsels vermutlich genauso schnell abschafft wie seine vorherig überaus fundamentalen Vorbehalte gegenüber dem Entwicklungsministerium, dem er gemäß den neuesten Meldungen zufolge mehr Einfluss und Gewicht wünscht…

  4. 4tigger

    Wieso “spinnt” Niebel, wenn er einfach nach den Regeln unserer Parteiendemokratie spielt und Fanboy-Fähnchen wedelt ? Darf man als Mitglied der FDP nicht, was andere dürfen ? Wenn ja, seit wann ? :)

  5. 5linksundliberal

    Nichts gegen ein Bisschen Fähnchenwedelei, tigger… aber muss man das gleich so gnadenlos übertreiben?

  6. 6genova

    Laut n-tv hat er auch das hier gesagt:

    “Es gibt Leute, die treten noch nach, wenn ein Mensch am Boden liegt”

    Erfrischend offen, würde ich sagen. Sowohl, was den Zustand des Vorsitzenden angeht als auch, was seine Ansichten über das Verhalten von Parteifreunden betrifft.

    Und zum “besten Vorsitzenden”: Das ist in Deutschland doch noch erstaunlich bescheiden. Bahnchef Grube will ja bekanntlich den “besten Service der Welt” bieten, deutsches AKWs sind “die sichersten der Welt”, Merkel will Deutschland als “Nr. 1 in der Welt”. So gesehen ist der “beste Vorsitzende der FDP” fast schon eine versteckte Kritik. Ich schlage “bester Vorsitzender, den die Welt je hatte” vor.

  7. 7Rayson

    Es gibt ja auch die Kategorie “größter Zwerg der Welt”.

  8. 8Christian S.

    Westerwelle ist doch der erfolgreichste FDP-Parteivorsitzende aller Zeiten.

    Zumindest bis zur Landtagswahl in Baden-Württemberg.

    :D

  9. 9John Dean

    Ist heute nicht der Tag, wo unser zunehmend unspaßiger Spaßguido seine “große Rede” hält – von wegen Dreikönigstreffen?

    Ich höre gerade vom Generalsekretär, “es geht darum, wenn diese Koalition scheitert, werden auf Jahre hin in Deutschland linke Regierungen regieren” und “Kritik ernst nehmen bedeutet nicht, dass man jede Kritik ernst nimmt”.

    Anschließend macht Lindner deutlich, dass er Kritik an keiner Stelle gerechtfertigt ist und dass er “soziale Marktwirtschaft” vor allem als “prinzipiellen Vorrang privater Initiative” versteht. Außerdem beißt er gegen die Linke, gegen die Grünen und die Sozialdemokraten, die nichts begriffen hätten und allesamt den Kommunismus verwirklichen wollen, im Gegensatz zu den stolzen Kämpfern für die Freiheit, und das Bürgerrecht auf individuelle Leistung, die FDP. Ungleichheit sei Ausdruck von “Offenheit und Vielfalt der Gesellschaft”. Solange rein formal “Zugänge” bestehen, sei ausreichend Freiheit verwirklicht und gewährleistet, dass sich jeder mittels “Leistung und Fleiß” selbst verwirklichen könne. Die Grünen wollen hingegen egalitäre Vorstellungen verwirklichen, drastisch umverteilen, eine Einheitsschule und Einheitskrankenkasse verwirklichen, die Steuern massiv erhöhen und jeglichen freheitlichen Ansatz brutal unterdrücken, besonders aber Spitzensteuersätze erhöhen, was beweise, dass “eine solche Partei jeden Bezug zur Lebenswirklichkeit verloren hätte”.

    Und so weiter und so fort von diesem Schwachsinn.

  10. 10John Dean

    Habe mir gerade life die angekündigte “große Rede” vom großen Vorsitzenden Westerwelle angehört. War ganz schön schwach, fand ich – und deutlich unter dem Niveau, zu dem er in Hochform fähig ist. Tenor: “Wir” sind die Freiheit, die FDP und der NATO-Doppelbeschluss hätten die deutsche Einigung erst möglich gemacht, nun aber droht eine furchtbare kommunistische Linksregierung und die Grünen haben sich schon immer überall geirrt, Gesundheitsminister Rösler hat nach 11 Jahren Misswirtschaft und Planwirtwirtschaft in der Gesundheitspolitik endlich das Ruder gewendet, privat hätte nun endlich Vorfahrt, außerdem gäbe es für die Bürger in allen Einkommensklassen mehr Netto vom Brutto, und überhaupt, das gegenwärtige Wirtschaftswachstum sei in erster Linie das Verdienst der FDP und einer Politik, welche die Leistungsträger entlaste.

    Aha. Soso.

    Irgendwie, pardon, erinnerte mich diese Rede in Duktus und ihrer heraushebenswerten steiffesten Linientreue (nicht aber im Inhalt) doch tatsächlich an die Parteitagsreden von SED-Bonzen, die ebenso unbeirrbar wie Ehemals-Spaß-Guido daran fest hielten, schon immer nun wirklich alles richtig gemacht zu haben, und dass jegliche Veränderung des eigenen Kurses einzig und allein Teufelswerk sein könne.

    Zusätzlich meinte Westerwelle, seine Haltung und seine entschiedene Warnung für allen “Linksparteien” sei prototypisch für die liberale Toleranz. Er klang etwas verbittert darüber, dass er das Buch von Sarrazin vollständig gelesen habe, nur um feststellen zu müssen, dass dieses Buch in seinen Hauptthesen “zu zwei Drittel” in Gegensatz zu liberalen Ideen stünde – was Westerwelle allerdings in keiner Hinsicht daran hinderte, die Kritik anderer Parteien am Verhetzungswerk von Sarrazin für schädlich und kritisierenswert zu halten.

    Warum auch immer. Ich tippe mal, das muss mit der typischen Überheblichkeit und Scheinheiligkeit des selbstverliebten FDP-Bonzentums zu tun haben, welche den Kurs der FDP seit vielen Jahren bestimmen.

    Die merken nichts mehr und verlieren den Kontakt zur Wirklichkeit.

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