Da sind sie ja endlich
Nadja Hirsch, Gesine Meissner, Alexander Alvaro, Dr. Jorgo Chatzimarkakis, Sebastian Körber, Miriam Gruß und Christoph Giesa
Das ist er also, der Dahrendorf-Kreis, der gestern mit einem Facebook-Account in die Öffentlichkeit getreten ist und nun auch sein Thesenpapier vorgelegt hat. Immerhin, diese Liste deutet doch auf eine modernere Einstellung zu den Neuen Medien hin, als ich noch vor ein paar Tagen in meinem Beitrag befürchtete. Mit Christoph Giesa, dem Initiator der pro-Gauck-Kampagne auf Facebook, ist sogar ein aktiver Blogger dabei, Nadja Hirsch und Jorgo Chatzimarkakis sind ehemalige Blogger – die eine mit einem lokalpolitischen Blog, der erst mit ihrem Wechsel ins Europaparlament endete, der andere mit einem europapolitischen Blog, der bis vor ein paar Jahren auch noch Inhalt hatte.
Eigentlich hätte man sich diese Liste fast so denken können. Alvaro und Chatzimarkakis habe ich schon länger als Vertreter eines sozialen Liberalismus im Auge, Miriam Gruß ist sehr aktiv und hat dabei schon zum einen oder anderen Aufheuler in der liberal-konservativen Blogosphäre gesorgt, und auch die anderen Parlamentarier sind (nach einer kleinen Recherche) öfter einmal mit Äußerungen zur Sozial- und Gesellschaftspolitik aufgefallen, die weder der Linie des Vorsitzenden noch der der Koalition so recht entsprechen wollten.
Was steht nun drin in dem Thesenpapier?
Wirtschaftliche Freiheiten zu gewähren und zu sichern gehört zu unseren Grundwerten und ist eine wichtige Säule der FDP. Aber richtig verstandener Liberalismus steht für viel mehr: Toleranz, Rechtsstaatlichkeit, Bürgerrechte, Generationengerechtigkeit, Eigenverantwortung sowie ökologische und soziale Marktwirtschaft.
Klingt nach einer guten Zusammenfassung. Mal sehen, wie das so en detail gemeint ist – denn die längeren Erläuterungen im folgenden Text sind auch nicht viel konkreter, angefüllt mit Allgemeinplätzen und Thesen, denen wohl jeder zustimmen würde. Was mir jedenfalls gefällt, ist, dass schon in diesem Papier eine Einladung an alle erscheint, die mitwirken wollen:
Der Dahrendorf-Kreis ist deshalb für alle offen, die den ganzheitlichen Liberalismus als gesellschaftliche Idee auf Basis der nachfolgenden Grundsätze verwirklichen möchten.
Ich werde die weiteren Informationen, die sowohl auf Facebook als auch unter www.dahrendorf-kreis.de angekündigt sind (wobei die Domain bisher noch auf www.chatzi.de umgeleitet wird), jedenfalls mit Interesse verfolgen.






1jo@chim
wrote on 3 Januar 2011 at 10:13
Ziemlich blonder Verein
http://www.antibuerokratieteam.net/2011/01/03/alles-nur-geklaut-oder-gut-zitiert-ist-halb-erfunden/
2linksundliberal
wrote on 3 Januar 2011 at 11:22
Die Frauen jedenfalls. Die Männer sind eher dunkelhaarig.
3Jan
wrote on 3 Januar 2011 at 23:30
Mir hilft diese Erklärung da bis jetzt gar nichts. Ich werde die Genossen Parteifreunde wir üblich an konkreten Forderungen und Taten messen. Diese Erklärung lässt da nun nicht gerade auf besonders originelle Positionen schließen. “Ökologische und soziale Marktwirtschaft” klingt nach Merkel-Wahlverein.
4Christian S.
wrote on 4 Januar 2011 at 0:53
Ich hätte doch dahrendorf-kreis.de kaufen sollen.
5linksundliberal
wrote on 4 Januar 2011 at 1:00
Als ich guckte, war die schon weg. Jorgo Chatzimarkakis hatte wohl nur nicht die Zeit, um die Verlinkung einzurichten.
6Christian S.
wrote on 4 Januar 2011 at 1:08
Vielleicht haben die auch unsere Lästereien auf Twitter gelesen.
7linksundliberal
wrote on 4 Januar 2011 at 1:21
Als Treffer Nummer 1 bis 3 bei Google bei jeder Kombination von “Dahrendorf” und “Kreis” gehe ich sogar fest davon aus, dass wir die Damen und Herren ein wenig beunruhigt haben. Und, wenn es gut ist, auch ein wenig beschleunigt.
Mal ehrlich: Seit ich die Namen gelesen habe, freue ich mich ja. Den Alexander Alvaro habe ich ganz kurz persönlich gesprochen und ihm zugehört, der Chatzi war als Blogger sehr offen und vernünftig… vom Christoph Giesa ganz zu schweigen… vielleicht wird ja was draus? Aber zu hoffen wage ich ja nicht mehr.
8Christian S.
wrote on 4 Januar 2011 at 1:35
Hehe, jo. Wir sind gespannt.
9Mike S.
wrote on 9 Januar 2011 at 19:52
Hallo,
ich bin heute eher zufällig auf diese interessante Seite gestoßen.
Mich wundert es ein wenig, dass sich immer mehr Kreise, Vereine und Parteien gründen, die nur eines im Sinn haben, sich dem Sozialliberalismus zu verschreiben.
Es gibt seit 1982 die Partei Liberale Demorkaten – die Sozialliberalen, die nach dem Bruch der sozialliberalen Koalition entstand. Die Partei ist in den letzten jahren eher ungeachtet gewesen, da die sozialliberale Idee keine wesentliche Rolle spielte.
Schaut doch einfach mal vorbei unter:
http://www.liberale-demokraten.de
oder bei den sozialen Netzwerken:
bei http://www.wer-kennt-wen.de
bei http://www.Facebook.de
Viele Grüße,
Mike S.
10linksundliberal
wrote on 10 Januar 2011 at 0:35
Akismet schluckt einen Kommentar mit drei Links natürlich, den musste ich “von Hand” freigeben.
Inhaltlich gibt es natürlich schon ein gewisses Gefälle zwischen Leuten mit echtem politischem Gewicht, wie den Dahrendorf-Kreis-Leuten, und einer Gruppierung wie den Liberalen Demokraten, die seit 1982 ein Schattendasein führen.
Ich kenne die LD schon einige Jahre, habe sie aber nie so recht ernst nehmen können, weil es immer eine… gewisse Differenz zwischen dem Anspruch und der Realität gab. Dennoch wünsche ich der Partei alles Gute, weil mir viele Ideen, die so bei den LD vertreten werden, sympathisch scheinen.
11Jan
wrote on 10 Januar 2011 at 6:08
Nachdem ich das Papier “Kommentar zum Unterschied zwischen Liberalen und Freien Demokraten” überflogen habe, fühle ich mich in der Lage, zu erklären, warum dieser Verein da auch künftig jenes Schattendasein fristen wird, in dem man sich dort offenbar seit fast 30 Jahren eingerichtet hat: Das Papier hätte praktisch wortgetreu genausogut von Vertretern sämtlicher im Bundestag vertretenen FDP-Konkurrenten geschrieben sein können.
Wen soll aber denn bitte eine “LD” interessieren, deren Anspruch es zu sein scheint, ein weitgehend mit der SPD oder anderen sozialdemokratischen Parteien identisches Programm aufzustellen? Liberale Gedanken habe ich auf Anhieb in dem Papier gar keine finden können. Dafür jede Menge Argumente, warum individuelle Freiheit schlecht und Markt böse ist. Argumente, die ich so und so ähnlich schon tausendfach von allen möglichen Leuten aus allen Parteien (inklusive der FDP) gehört und gelesen habe.
Die “LD”, ihr Programm und ihr bisheriger “Erfolg” zeigen eigentlich sehr deutlich, warum es sich für die FDP nicht rentieren, sondern ihre derzeit in Umfragewerten ablesbare relative Bedeutungslosigkeit zementieren würde, sich in ähnlicher Weise auch noch der letzten Alleinstellungsmerkmale zu entledigen und dem Einheitsbrei der restlichen Parteien zu folgen.
12linksundliberal
wrote on 11 Januar 2011 at 0:42
Tja, Jan… ich wollte ein wenig netter sein, weil ich, wie gesagt, auch den einen oder anderen LD’ler schon persönlich kennen gelernt habe und den Enthusiasmus mag, mit dem sich die jungen, neuen Mitglieder der Partei hineinwerfen.
Aber prinzipiell teile ich deine Analyse schon: Weder für Rotgrüne noch für eher linke und soziale Liberale gibt es einen Anlasse, sich zu den LD’s zu orientieren. Bei ersteren ist es die Tatsache, dass man keinen Unterschied zu den eigenen Aussagen und Thesen sieht, bei letzteren die, dass da auch nicht allzu viel genuin liberales mehr vorkommt. Zuviel Abgrenzung zum liberalen Grundgedanken, vermutlich. Das kann ich in meinem Blog betreiben, während ich advocatus diaboli spiele. Aber eine Partei? Eher nicht. Da würde ich – auch bei Sozialliberalen – etwas mehr Bekenntnis zur Marktwirtschaft, zur Vertragsfreiheit, zum Vorrecht des Privaten erwarten.
13Patrick
wrote on 22 September 2011 at 12:38
Der Dahrendorf-Kreis hat es letzte Woche geschafft ein eigenes Forum zu eröffnen. Ja, jetzt schon…
In den letzten Monaten bot ich häufiger Hilfe an, weil auch ich eine Chance darin sah aber meine Hilfe wurde nicht wirklich benötigt bzw. gewollt.
Auch von Alex (Alvaro) hört man viel und er ist viel bei Facebook unterwegs aber über den Dahrendorf-Kreis sagt er nichts. Auch Christoph (Giesa), der damals mit seiner Unterstützung Gaucks bekannt wurde (als FDP-Mitglied!), äußert sich viel und oft bei Facebook, nicht jedoch zum Dahrendorf-Kreis.
Ich für meinen Teil sehe dieses Projekt als gescheitert, der Name und die Idee konnte bisher schlichtweg gar nicht mit Taten oder Forderungen gefüllt werden. Sehr schade…