Immer diese Neuen Rechten
Was Che hier zu seinem und Momos Dauerthema “Liberale sind Neue Rechte” schreibt, überzeugt mich etwas mehr als sonst, weil es die simple Vermischung und Gleichsetzung, die sonst praktiziert wurde (und die Loellie hier auch mal wieder vorexerziert) ein wenig auflöst. Auflöst zugunsten einer Erläuterung, inwiefern die Anti-PC-Haltung auch der wirklichen rechten Szene in die Hände spielt, ohne dass ihre Vertreter unbedingt selbst eine politische Überzeugung haben müssten, die der Neuen Rechten entspricht. Momo hat das früher immer mal wieder versucht, indem er Dinge schrieb wie “ihr verwendet Diskursmuster der neuen Rechten” oder ähnliche Formulierungen. Doch das genügte nicht, um Überzeugungskraft zu entfalten, weil es den Adressaten nach wie vor eine eigene Position absprach, die zu den entsprechenden Äußerungen und Haltungen führte, und diese quasi als “Import” aus radikalem oder gar extremem rechten Gedankengut kennzeichnete.
Was mir an Ches Artikel nun gefällt, ist, dass er unterschiedliche politische Strömungen auch als unterschiedlich charakterisiert, selbst den “formalisierten moralischen Rigorismus” der linksalternativen Szene kritisiert (der auch in linksbürgerliche Kreise hineingreift, seit sich Rote und Grüne fest zusammengeschlossen haben) und das Problem benennt, dass sich die sehr unterschiedlichen politischen Richtungen, die diese kritisieren und bekämpfen, an diesem Punkt zusammenfinden und als eine gemeinsame Front wahrgenommen werden (den Begriff “andocken” empfinde ich als einen Schwachpunkt des Aufsatzes).
Was allerdings auch hier erneut zu wenig Beachtung findet, ist die Tatsache, dass für die Liberalen, sowohl in der Blogosphäre als auch außerhalb, die Meinungsfreiheit an sich einen hohen Wert hat und dazu führt, dass auch Meinungsäußerungen geschützt werden, deren Inhalt man selbst nicht teilt. Das war eine häufige Ursache für sehr scharfe Diskussionen bei A’Team und BLOG, die Loellie in seinem verlinkten Kommentar ja wieder aufgreift, indem er ihnen unterstellt, diese beiden Blogs seien für die Bell-Curve und ähnliche grenzwertige Forschungen und Behauptungen eingetreten. Die feine Unterscheidung, dass es etwa Rayson oder jo@chim nie darum ging, die genetische Minderwertigkeit menschlicher Phänotypen zu behaupten, sondern mehr darum, dass diese Behauptung straffrei bleiben solle, geriet dabei stets unter die Räder.
Soviel als Ergänzung zu dem ansonsten durchaus lesenswerten Text von Che.
Zu den Randpunkten der Diskussion, im Rahmen derer dieser Text entstanden sein dürfte, noch zwei Anmerkungen:
Das Kartenspiel, das der Spiegelfechter rezensiert hat, finde ich auch nicht besonders witzig. Es ist meiner Ansicht nach höchstens für einen kurzen Schmunzler gut, aber weder wirklich witzig noch eine angemessene Form der Kritik an Stereotypen und/oder PC. Auf jeden Fall ist es eine intensive Beschäftigung, gar einen längeren Blogbeitrag oder eine Kaufempfehlung nicht wert. Was Jens Berger da geritten hat, weiß ich nicht; vielleicht wollte er auch Aufmerksamkeit gewinnen. Der Zulauf an Publikum, der sich bei seinem letzten Skandal vor ein paar Wochen eingestellt hat, kann ja auch süchtig machen. Andererseits ist Momos Artikel wieder einmal recht hysterisch und wutschnaubend ausgefallen – was einen aber nicht überrascht, wenn man dort öfter liest. Und als Antwort darauf nun eine andere Reaktion des Spiegelfechters zu erwarten als die, die er gezeigt hat, wäre doch etwas zuviel verlangt. Nicht, dass ich diese Reaktion sonderlich vernünftig und erwachsen nennen würde, ganz im Gegenteil.
Zu den politisch korrekten Sprachverwirrungen hingegen vertrete ich meine Dauerposition: Man wird reale Diskriminierungen durch neue Formulierungen, Pronomen und Gruppenbezeichnungen niemals bekämpfen können. Alles, was dadurch gelingt, ist, die eigene Sprache zu verkomplizieren, unnatürlich erscheinen zu lassen und für Außenstehende unleserlich zu gestalten. Wenn die reale Position einer Minderheit sich nicht verbessert, dann ist es völlig egal, ob diese Gruppe “Nigger”, “Neger”, “Schwarze”, “Farbige”, “People of Colour”, “Afrodeutsche” oder “Maximalpigmentierte Mitbürger” genannt wird. Jeder neue Begriff wird, sofern er sich durchsetzt, nach einer Weile ebenfalls zu einer Beleidigung werden, solange es als Beleidigung gilt, jemanden als Angehörigen dieser Gruppe zu bezeichnen. Es gilt, reale Diskriminierungen und Stereotype zu bekämpfen, zu durchbrechen und abzuschaffen – nicht, Sprachpanscherei zu betreiben.
Edit: Da ich mich offenbar missverständlich ausgedrückt habe, möchte ich noch betonen, dass mein letzter Absatz nicht rechtfertigen sollte, wenn Menschen als “Neger” bezeichnet werden. Mir ist klar, dass ein solcher Begriff die damit titulierten Personen sehr verletzen kann, und solche Verletzungen wissentlich zuzufügen, ist schon eine Sauerei. Insofern ist es ja auch löblich, wenn man selbst versucht, (noch) nicht durch negative Konnotationen aufgeladene Begriffe zu verwenden, und andere auf diesen Zusammenhang aufmerksam macht. Ich wollte lediglich ausdrücken, dass es sich um einen Nebenschauplatz handelt, der an sich noch keine Lösungen bringt – und Verstöße hier nicht die Katatstrophe sein dürften, zu der manche sie machen.
Edit 2: Mir gefällt auch, was die “Bandschublade” zu dem Thema schreibt.







1Zahnwart
wrote on 22 Dezember 2010 at 12:08
“Man wird reale Diskriminierungen durch neue Formulierungen, Pronomen und Gruppenbezeichnungen niemals bekämpfen können.” Stimmt. Aber muss man deswegen unbedingt die alten Formulierungen verwenden, im eigenen Sprachgebrauch? Obwohl diese alten Formulierungen zumindest diskriminierend empfunden werden? Ich habe einfach kein gutes Gefühl dabei, nicht “Neger” sagen zu wollen und deswegen von den Anti-PC-Verfechtern von vornherein als humorloser Spießer gebrandmarkt zu werden. Und genau deswegen gefällt mir das vom Spiegelfechter hochgejubelte Quartett nicht.
2momorulez
wrote on 22 Dezember 2010 at 12:22
Mir sind Deine Unterwerfungspraktiken tatsächlich schlicht unverständlich. Und Zuschreibungen wie “hysterisch” sind schlicht und ergreifend bürgerlich-repressiv. Zudem ich dergleichen auch nicht schreibe, weil ich annehmen würde, Typen wie der Spiegelfechter wären Argumenten zugängoich in solchen konkreten Fällen. Das ist ja auch die Lehre aus den Diskussionen mit Deinen Blog-Freunden gewesen: Argumentieren bringt da nichts, wo der Herrschaftswille der eh schon Hegemonialen sich artikuliert. Weil auf eh keins eingegangen wird, sondern auf Stilfragen ausgewichen wird. Da kann man nur Gegenmacht mobilisieren. Auch ist mir immer noch ein Rätsel, was Du mit “Meinungen” meinst – Sprechen und Schreiben sind Handlungen, man bewirkt damit ganz materiell etwas. Dass Du in der üblichen bürgerlichen Arroganz und Ignoranz Schwarzen vorschreiben willst, was sie zu empfinden haben, wenn das N-Wort verwendet wird, ist schon frappierend desensibilisiert. Sprache ist ein zentrales Medium der Kolonisation gewesen, Du schreibst diese hier fort.
Mir ist unverständlich, wie ein offen Schwuler sich die hetero-weiß-männlich-Struktur derart zueigen machen kann und so auch noch aktiv zur eigenen Unterdrückung beiträgt. Eigentlich gilt ja mit Kästner “Was immer auch geschieht, nie dürft ihr so tief sinken, den Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken” – der Spiegelfechter fordert das auch noch ein als Humorbeleg, und Du nippst auch nicht nur dran.
Habe ja auch außerhalb des Netzes mit ganz normalen Familienvätern und Frauen geredet; merkwürdigerweise hat das von denen niemand als “hysterisch” empfunden. Die haben sofort verstanden, worum’s mir ging. Aber wenn man Anderen das Recht auf Wut abspricht, hat man eh verloren.
3Robert Michel
wrote on 22 Dezember 2010 at 12:51
@Karsten: Dem letzten Abschnitt würde ich auch widersprechen, die Euphemismustretmühle kann es zwar geben, aber da es sich etabliert hat „Neger“ als Beleidigung anzusehen, macht es einen Unterschied ob Neger oder Schwarzer sagt.
@momo: Dass sich bei der Diskussion mit den Blogis Herrschaftswille entfaltet, geht schon allein daher fehl, weil es bei denen keine Selbstwahrnehmung als Mehrheitsgesellschaft gibt.
4linksundliberal
wrote on 22 Dezember 2010 at 12:53
@Zahnwart:
Ich sehe da keine große Abweichung zwischen uns beiden. Ich mag das Quartett auch nicht, weil es für einen schwachen Gag mit gefährlichen Dingen spielt und Gefahr läuft, die falschen anzusprechen. Auch das Wort “Neger” kommt in meinem Sprachgebrauch für gewöhnlich nicht vor, außer in Fällen wie diesem.
Ich finde nur, man sollte sich nicht so sehr an sprachlichen Fragen abarbeiten. Meine Schwiegermutter etwa erzählt immer noch gern, wie sie bei ihrer Gefangennahme 1945 erstmals einem Afroamerikaner begegnete und aus den Gesprächen mit ihm und der geschenkten Schokolade den Schluss zog: “Vor Negern muss man sich nicht fürchten, die sind eigentlich genau wie wir!”. Soll sie ruhig weiter “Neger” sagen, solange die Dinge, die sie in ihrer Jugend über Schwarze gelernt hat, vertrieben werden.
5linksundliberal
wrote on 22 Dezember 2010 at 12:54
@Robert Michel:
Da du hier in die gleiche Richtung argumentierst wie der Zahnwart, muss ich wohl eine Klarstellung anfügen. Erscheint gleich.
6momorulez
wrote on 22 Dezember 2010 at 13:14
@Robert:
Dass diese Selbstwahrnehmung fehlt, ist ja gerade das Problem. Aber genau in dem Vermeiden der Reflektion auf die je eigene gesellschaftliche Position zeigt sich ja der Herrschaftswille.
7momorulez
wrote on 22 Dezember 2010 at 13:18
@Karsten:
Dass Du Deine Schwiegermutter da relevanter findest als die mit dem N-Wort Bezeichneten und deren Empfindungen ist das Problem, ja. Überleg doch mal, wieso es da kein diskreditierendes Äquivalent im Bezug auf Weiße gibt, Weißer. Wie übrigens auch für “Schwuchtel” und “Fotze” nicht.
8linksundliberal
wrote on 22 Dezember 2010 at 13:58
@mr:
Ist ja nix Neues.
Wenn Du mir nachweisen kannst, wo ich das versuchen würde, gebe ich Dir gerne ein Bier aus. Wirst Du aber nicht können, weil ich überhaupt nicht über Empfindungen geschrieben habe, nicht einmal über Wahrnehmungen, sondern nur darüber, dass ich den Kampf um Formulierungen eben nicht für den entscheidenden Teil der Kampfzone halte.
Hast Du denen auch genau das gesagt, was Du da in deinem Beitrag so formuliertest? Inklusive deiner Vergewaltigungsphantasien gegen Jens Berger? Oder hast Du nur ausgedrückt, dass dich sowas ärgert und warum und dass Du wirklich wütend bist? Das sehe ich doch ein, das Gefühl teile ich in gewissem Maße ja auch. Aber deinen Beitrag als eine angemessene Form öffentlicher Auseinandersetzung zu betrachten, das gelingt mir nicht.
Zumal ich beim Lesen der Kommentare unter dem Ursprungsbeitrag beim SF mehr und mehr zu dem Eindruck gelange, dass da jemand Blut geleckt hat und solche Sachen nun öfter schreiben wird, wegen der Aufmerksamkeit, die man damit auf sich ziehen kann. Schade eigentlich.
Weißbrot? Kartoffel? Schwanzträger? Okay, Hete ist erst am Anfang seiner Karriere zur Beleidigung.
Überlegen brauche ich nicht, die belehrende Haltung kannst Du dir sparen.
Ich finde nicht meine Schwiegermutter relevanter als diejenigen, die sie als “Neger” bezeichnet, sondern ich finde die Tatsache relevanter, dass es ihr gelungen ist, tiefsitzende Vorurteile, die ihr von frühester Jugend anerzogen worden sind, abzubauen. Was du daraus zu machen versuchst, ist Unfug.
Wenn die Generation meiner Schwiegermutter heute “nur noch” diskreditierende Begriffe verwendet, anstatt mit einer sehr realen Vernichtungsabsicht durch die Welt zu ziehen, weil es sich bei den heute unfreundlich titulierten Menschen ja um “Untermenschen” handle, das empfinde ich als einen großen, realen Forschritt. Im Gegensatz zum Auftauchen der StudierendInnen, die mensch ja wohl heutzutage verwenden sollte.
9momorulez
wrote on 22 Dezember 2010 at 14:29
Leute wie der braune Mob eben nicht, und das natürlich auch wegen der Empfindungen, die das N-Wort auslöst. Weil da Jahrhunderte Folter, Versklavung, Kolonisierung und Massaker sich verdichten, und, wer es ausspricht, damit betont, dass er zu denen gehört, die das taten und ggf. wieder tun würden, wenn man nicht schön brav bleibt.
Die Frauen und Familienväter haben den Text gelesen und verstanden, dass ich das keine “Vergewaltigungsfantasien” formuliere, sondern umdrehe, was bei einem Begriff wie “Fotze” mit läuft: Das zu fickende Loch. Das Feministinnen-Bashing dort hat gar keine andere Antwort verdient. Zudem habe ich in dem Passus das Klischee der “großen N-Schwänze” umgedreht – wer rassistische Klischees total witzig findet, muss auch mit deren Umkehr leben. Und was “belehrend” betrifft, sitzt Du vielleicht im falschen Glashaus angesichts Deines Textes.
Natürlich ist so ein Text, der vermeintliche Satire, die weh tut, mit vermeintlicher Satire, die weh tut, beantwortet. Der karrikierte schlicht dessen eigene Haltung. Wer das nicht versteht, hat halt keinen Humor, HARHARHAR.
Fortschritt wäre, wenn die “N..” mal in die Lage kämen, Deine Großmutter tolerieren zu können.
Ach, und was die Aufmerksamkeit betrifft, das ist auch immer so ein lustiges Argument …
10NUB
wrote on 22 Dezember 2010 at 14:52
@Karsten
Das ist ja der pure Pragmatismus! Wie kannst Du nur! Dein Gesprächspartner ist da evtl. im Begriff, sich in eine gefährliche Aggression hineinzusteigern, in der er nur mit umgekehrten Vorzeichen reporduzieren würde, womit er sich und andere behelligt sieht. Heißt es nicht oft, man könne nicht ein Problem mit demselben Denken lösen, das zu dem Problem geführt hat? Viele Menschen haben sich ohnehin nicht genügend mit Vorurteilen beschäftigt, sie hinterfragt und auch Begriffe hinterfragt, sie wissen schlicht keine Alternative. Insofern ist fehlende Reflektion nicht im Willen zur Herrschaft begründet, sondern umgekehrt führt fehlende Reflektion in eine Situation, auf deren Grundlage Herrschaft und Herrschaftswille erst gedeihen. Dieses Denken, das man da bisweilen schon attestieren muss, sich an allem und jedem rächen zu wollen, für fehlende Empathie zur Verantwortung ziehen zu wollen, ist im Kern lediglich destruktiv. Anstatt das Destruktive mit Konstruktivem zu tarnen kann man auch einfach gleich destruktiv sein. Aber dann könnte man sich ja nicht mehr selber belügen, man sei konstruktiv und vertrete das Gute.
11Capitán
wrote on 22 Dezember 2010 at 15:55
Momorulez, du hast keine Ahnung. Es gibt massenhaft abwertende Bezeichnungen für Weiße bei nichtweißen Völkern. Die Guaraní in Paraguay bezeichnen uns als Curepa, was so viel bedeutet wie “Schweinehaut” (Übrigens werden in Südamerika Schwarze als “Negros” bezeichnet, was so viel bedeutet wie “Schwarze”).
Typisches Gefasel eines Salonlinken, der selber nie außerhalb von Europa war. Welche Vermessenheit zu glauben, nur weil man irgendwelche französischen Kaffeehausphilosophen gelesen hat, anderen moralische Vorhaltungen machen zu können.
12momorulez
wrote on 22 Dezember 2010 at 16:39
@NUB:
Führst Du Selbstgespräche? Und vertrittst gern das Schlechte?
@Capitan:
Der Einfluss paraguayischer – sagt man das so? Habe ja mein Leben in einer Einzelzelle mit französischen Kaffeehausphilosophen verbracht
– Sprechweisen auf die hiesige Kultur ist freilich ein häufig unterschätztes Thema. Insofern ist eine Moralhoheit für Paraguy-Reisende selbstverständlich zu befürworten. Schon, weil man da betrachten kann, wie indigene Völker Land enteigneten und einen groß angelegten Sklavenhandel mit weißen Europäern trieben, wie ja überall in Südamerika.
13NUB
wrote on 22 Dezember 2010 at 18:52
@Momorulez
Ohne das Schlechte gibt es nicht das Gute, sozusagen eine Symbiose. Und ich bin nicht mit Karsten identisch, also war das kein Selbstgespräch. Ich war mir auch nicht sicher, ob Du das wirklich ausdiskutieren wolltest oder Dich schon genug geärgert hast.
14momorulez
wrote on 22 Dezember 2010 at 19:25
@NUB:
Das mag deskriptiv ja so sein, normativ kann man das gar nicht durchhalten, ohne das Schlechte gut zu finden, und dann ist es ja das Gute.
15NUB
wrote on 22 Dezember 2010 at 19:32
@Momorulez
Hmm. Auf der deskriptiven Ebene hast Du ja z.B. durchaus Recht, dass es auch immer darum geht, anderen ihre Perspektive abzusprechen bzw. diese zu marginalisieren. Ob man dies normativ erst gut finden muss, um es effektiv durchzuführen, ist aber zu bezweifeln. Man kann auch einfach eine Struktur schaffen, der es zu Eigen ist, dies zu tun, was andere dann als Gewalt empfinden können. Der Fall, um den es bei der Diskussion nun geht, ist aber mutmaßlich nicht mit der Absicht herbeigeführt worden, Menschen zu kränken und zu verletzen. Obwohl dies in anderen Anti-PC-Fällen durchaus klar beabsichtigt ist, das stimmt schon.
16momorulez
wrote on 22 Dezember 2010 at 20:35
@NUB:
Nein, nicht mit der Absicht. Das ändert doch aber nix dran, DASS es kränkt. Wenn freilich der Hinweis darauf, dass das so ist, DASS es kränkt und verletzt, von vornherein als Humorlosigkeit abgetan wird, kann man ja ruhig auch mal schärfer schießen.
17che2001
wrote on 25 Dezember 2010 at 13:53
Gibt sogar diskreditierende Äquivalents zu Weißen, nur nicht in unserem Kulturkreis. In China heißen wir “rotgesichtige Langnasen”und “fremde Teufel”.
18linksundliberal
wrote on 26 Dezember 2010 at 0:22
Naja, die Chinesen… die gelten ja nun ganz im Allgemeinen auch nicht als außergewöhnlich xenophile Zeitgenossen, oder, Che?
19linksundliberal
wrote on 26 Dezember 2010 at 0:24
Ack, wieder zu früh “Send” gedrückt.
Außerdem wäre es ja auch zu seltsam, wenn wir im eigenen Kulturkreis allzu viele diskriminierende Bezeichnungen für diejenigen hätten, die diesem Kulturkreis angehören.
Dass die Beleidigungen von Minderheiten gegenüber Mehrheiten nicht so populär und verbreitet sind wie die Beleidigungen von Mehrheiten gegenüber Minderheiten… das gehört doch zu dem, was die Frage von Minderheiten und Mehrheiten konstituiert, oder?
20che2001
wrote on 28 Dezember 2010 at 14:05
Der chinesische Rassismus ist ähnlich ausgeprägt wie der europäische wenn nicht noch viel massiver (sich selbst als das Reich der Mitte zu betrachten und die ganze übrige Welt als Barbaren sagt eigentlich alles), und es waren z.T. die gleichen Stuidenten, die auf dem Platz des Himmlischen Friedens für Menschen- und Bürgerrechte dermonstriertem, die kurz zuvor in Studentenwohnheimen Schwarzafrikaner verprügelt hatten. Sagen will ich damit, dass nicht einmal der europäische Rassismus einzigartig und sonderlich originell ist und wir anderswo gemeinsam mit Leuten, die üblicherweise von Europäern diskriminiert werden verachtete Fremde sind. Kann für einen Perspektivwechsel ja mal hilfreich sein.
21linksundliberal
wrote on 28 Dezember 2010 at 20:39
Stimmt. Lasst uns alle zusammen Chinesen verachten.
Oder meintest Du das jetzt irgendwie anders?
22che2001
wrote on 29 Dezember 2010 at 13:10
Irgendwie anders, ja…