Christopher Street Day

Freitag, 24 Dezember 2010, 1:25 | Category : Diskriminierung, In eigener Sache
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Ich habe gestern einem heterosexuellen und eher homodistanzierten (ich erfinde mal ein neues Wort für jemanden, der nicht wirklich schwulenfeindlich, aber eher zurückhaltend ist) Freund erklärt, wie es eigentlich zu dem tollen CSD kam, den er und seine Frau hier in Köln auch schon mal besucht haben.

Natürlich war er ein wenig überrascht, zu hören, dass es da eigentlich darum geht, einen tatsächlich gewalttätigen Kampf zu feiern, der mir, meinem Mann und vielen anderen ermöglicht hat, heute so zu leben, wie wir es tun: offen, frei und stolz. Recht schnell ist vergessen, dass diejenigen, die diesen Kampf geführt haben, damals Gefängnis, Misshandlung und andere Dinge riskiert haben, weil sie liebten – nur leider den falschen. Oder überhaupt “den”.

Und auch ich vergesse das immer einmal wieder, weil sich die Situation für mich so anders darstellt, weil ich nicht das Gefühl habe, angefeindet zu werden oder mich verstecken zu müssen. Aber man darf nicht vergessen, dass die Erfolge der letzten fünfzig Jahre ebenso schnell wieder verloren gehen können – man muss nur in den Osten Europas sehen, um ganz andere Lebenssituationen Homosexueller zu sehen. Und auch hier gibt es Menschen, die nach wie vor diskriminiert werden, wenn auch nicht mehr mit dem Schutz des Gesetzes.

Dass Momorulez, Che und andere mich daran immer wieder erinnern, ist mir wichtig. Auch, wenn ich der Vehemenz und der Wut, die dort zum Ausdruck kommt, nicht immer zustimme.

5 Comments for “Christopher Street Day”

  1. 1momorulez

    Danke für diesen Eintrag! Das zeugt auch von Größe, einen solchen zu schreiben, wenn man sich gerade wiede in den Flicken hatte. Ich bin da ja immer deutlich verbohrter ;-) – das hast Du mir deutlich voraus. Meine ich völlig ernst. Respekt!

    Frohes Fest!

  2. 2linksundliberal

    Größe? Ach, Du übertreibst. Vielleicht war es auch die versöhnliche Vorweihnachtsstimmung… :)
    Auch dir, deinem Vierbeiner und den Zweibeinern, die dir etwas bedeuten, einige frohe Feiertage!

  3. 3Niemand

    Meines Wissens heißt das Andenken an diese Feier auf der ganzen Welt irgendwas mit \”Stonewall\”. Nur nicht in Deutschland, da heißt es \”Christopher Street Day\”. Laut Wikipedia noch in Spanien.

    http://en.wikipedia.org/wiki/Stonewall_Riots

    Vielleicht als kleine Groteske nebenbei.

    Was vielleicht auch noch erwähnenswert ist, mW haben nicht die diskriminierten Homosexuellen mit der Gewalt angefangen – wie im Artikel von WP erwähnt gab es da eher Bürgerrechtsgruppen usw. – sondern die Polizei. Falls die Info falsch ist, sorry. Das ließe den Kampf allerdings noch nobler dastehen, in meinen Augen.

  4. 4linksundliberal

    @Niemand:
    Die Gewalt – sublimiert, gesetzlich gedeckt, über das gesetzliche hinausgehend – gab es schon lange. Und diejenigen, die sich nachher gewehrt haben, haben einfach irgendwann begonnen, zurückzuschlagen. Und wenn man die Ziele von Gleichberechtigung, Emanzipation und sexueller sowie sozialer Emanzipation und Libertinage teilt, dann ist das tatsächlich ein nobler Kampf.

  5. 5Niemand

    Die Gewalt – sublimiert, gesetzlich gedeckt, über das gesetzliche hinausgehend – gab es schon lange.

    Das sowieso und das wollte ich auch gar nicht in Frage stellen.

    Und wenn man die Ziele von Gleichberechtigung, Emanzipation und sexueller sowie sozialer Emanzipation und Libertinage teilt, dann ist das tatsächlich ein nobler Kampf.

    Natürlich.

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