Reaktionen auf die Finanzkrise

Mittwoch, 3 November 2010, 15:10 | Category : Aus dem Web gefischt, Gesellschaft, Soziales
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In Frankreich wird gestreikt und streetgefightet, in Griechenland bastelt man explosive Geschenkpakete, in Italien bleibt man kriminell und vertraut man auf den Schutz von Heiligen und Mafiosi, in England trinkt man sich artig zu Tode und in Österreich, Ungarn und Deutschland gibt man die Schuld den Juden/Immigranten/Fahrradfahrern und wählt den nächstbesten  Rattenfänger und Söldner der Industriellenvereinigungen.

Der lindwurm fasst die unterschiedlichen, aber allesamt nicht zielführenden Methoden zusammen, mit denen die Völker Europas ihren Zorn über die Zockerei der Banker kanalisieren. Wenn man schon machtlos zusehen muss, wie alle für das Platzen der Blase bezahlen außer jenen, die sie wesentlich mit aufgepustet haben, dann kann man sich wenigstens in jeweils traditioneller Art und Weise Luft machen.

Wobei: Kann man an diesen Bildern nicht auch die Leitkultur der jeweiligen Gesellschaften beobachten? :)

8 Comments for “Reaktionen auf die Finanzkrise”

  1. 1Rayson

    Hm, muss in einem anderen Deutschland leben. Hierzulande jedenfalls wurde die Schuld doch den gierigen Bankern und dem “Neoliberalismus” gegeben. Es würde zwar ein doppeltes Klischee bedienen, dass Juden oder Immigranten verantwortlich gemacht würden, aber das sehe ich hier weit und breit nicht.

  2. 2linksundliberal

    Ich stimme dem Lindwurm ja auch nur begrenzt zu. Aber das Abdriften der Sarrazin-Diskussion sehe ich schon als ein Ventil, um den Zorn, den man nicht ausleben kann, abzubauen.

  3. 3ciodo

    @ Rayson:

    Naja, die Karrikatur des “gierigen Bankers”, der die Fäden der Welt in der Hand hält, um die gute deutsche Realtwirtschaft zu zerstören und eine neoliberale NWO aufzubauen, ist ja so weit von antisemitischen Stereotypen nicht entfernt. Nur dass es sich beim Objekt nicht um Juden handelt.

  4. 4Lindwurm

    @ Rayson: Die bewusst groteske Mischung “Juden/Immigranten/Radfahrer” sollte lediglich den Hang der Dooferen illustrieren, Sündenböcke zu suchen. Abgesehen davon sollte man sich keinen Illusionen hingeben. Ein Kippen unserer Gesellschaften nach ganz rechts ist nicht nur nicht auszuschließen, sondern eine ganz reale Gefahr. In Österreich zB führt die FPÖ in einigen Umfragen bereits.

  5. 5Niemand

    Auch wenn ich mich hier sehr unbeliebt mache: Welche Wut muss denn bitte die \”breite Masse\” schon abbauen?

    Ich meine, sicher, die Bankenkrise war ein Desaster dieses Systems – egal ob man nun in erster Linie so pauschal unreflektivert Dinge kritisiert, wie dass es zu keiner Marktbereinigung kommen konnte, was nun gar nicht zu einem kapitalistischen System passt oder ob man offen ist für solche komplexen Gedankengänge, wie den von den gierigen, bösen Bankern, die das Geld verzockt haben – und hat Billiarden einfach so verbraten, die man viel besser hätte nutzen können. Ob als Sozialausgaben oder Steuereinsparungen. Oder vielleicht in der Raumfahrt, warum nicht?

    Aber dennoch muss man sagen, dass die meisten Leute das Geld doch sowieso nie gesehen hätten und mal ehrlich: Eine solche kurzfristige Belastung wie die mit den Banken verursacht auch keine langfristige Krise der Sozialsystem oder des Staatshaushaltes. Relevant sind doch eher strukturell bedingte Faktoren.

    Und solange das ganze durch Schulden bezahlt wird, mit denen sich eh erst die Generation der heute etwa 0-20 Jährigen (und natürlich die ungeborenen) erst so richtig herumschlagen werden, hat der einfache Mann von der Straße, bzw. die \”breite Masse\” keine Veranlassung sich zu beschweren. Bis auf das defusse Gefühl, das hier etwas falsch läuft, aber das hätte man zu recht vor der Krise schon haben können…

  6. 6Rayson

    @ciodo

    Nicht weit entfernt, aber eben doch etwas entscheidend anderes. Jedenfalls, wenn es nicht nur das eigentlich Gemeinte verschleiern soll.

    @Lindwurm

    Noch viel schröcklicher: Die FPÖ hat in Österreich sogar mal eine Wahl gewonnen und wurde danach an der Regierung beteiligt. Allein schon, dass sich dieses Ereignis nur deshalb ins Gedächtnis einbrennen konnte, weil die EU daraufhin eine schwachsinnige Boykottaktion startete, zeigt, wie folgenlos das in Wirklichkeit war. Ein offensichtlich alle 20 Jahre mal auftretendes Phänomen, wenn den Bürgern dort der Filz der beiden Großkoalitionäre mal wieder reicht und sie inzwischen vergessen haben, wie dämlich sich die Protestpartei beim letzten Mal aufgeführt hat, als sie Verantwortung übernehmen musste.

  7. 7Lindwurm

    @ Rayson: Da liegst du falsch: Die FPÖ hat auf Bundesebene noch nie als stärkste Kraft eine Wahl gewonnen. Würde Strache Stimmenstärkster werden, wäre das eine völlig andere Situation als 1999. Es war auch nicht die selbe FPÖ, die damals den Vizekanzler stellte, denn Jörg Haiders Karrieristen- und Dilettantentruppe war zu sehr damit beschäftigt, sich die eigenen Taschen und jene ihrer Förderer mit Privatisierungsgewinnen zu stopfen, als dass sie großen gesellschaftlichen Schaden anrichten hätten können. Die Strache-FPÖ ist jedoch völlig von restliberalen Elementen “gesäubert” worden und hat eine viel engere Nähe zum braunen Untergrund, als das vor elf Jahren der Fall war.

  8. 8Rayson

    @Lindwurm

    Da hatte mir meine Erinnerung einen Streich gespielt: Die FPÖ war damals nicht stärkste Partei der Wahl, aber immerhin (wenn auch denkbar knapp) im Regierungsbündnis.

    Mag sein, dass die FPÖ heute eine andere ist, aber die Motive, sie zu wählen, dürften ähnliche sein wie damals.

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