Die Schwule Weltverschwörung im ugandischen “Rolling Stone”
(…) Die Selbstmordattentäter, die sich während des WM-Endspiels in der Zuschauermenge in Kampala in die Luft gesprengt hatten, sollen “im Auftrag einer Gruppe todbringender Homosexueller gehandelt haben, die im Ausland leben”, behauptet die Zeitung. (…)
Der Leitartikel deckte eine vermeintliche Verschwörung auf: Homosexuelle würden Lehrer bestechen, damit diese Schüler einer Gehirnwäsche unterziehen, um sie von homosexuellen Neigungen zu überzeugen. (…)
“Wenn eine junge Schlange in dein Haus eindringt, wartest du ja auch nicht, bis sie groß ist und dir was antut – sondern du tötest sie.” Der Vergleich mit Schlangen weckt böse Erinnerungen. Auch vor dem Völkermord 1994 im benachbarten Ruanda waren die Tutsi als Schlangen bezeichnet worden, um sie zu entmenschlichen. Viele der rund 800.000 Opfer des Genozids wurde mit Macheten zerhackt, so wie man in Afrika Schlangen tötet. (…)
Dann hebt er den Zeigefinger und sagt laut: “Also wenn eines meiner Kinder schwul wäre, würde ich es eigenhändig umbringen.”
Und es ist kein Geheimnis, dass die Radikalisierung in Uganda vor allem von der Kirche betrieben wird. Von der katholischen Kirche, vor allem aber von evangelikalen Bewegungen, die von den USA aus unterstützt werden. Interessant dazu auch die Berichte hier (Danke an loellie, der diesen Link bei Momorulez eingetragen hat).
Hat tip an @agitpopblog.






1Maik Heinzel
wrote on 21 November 2010 at 12:23
Echt heftig. Ich würde aber mal, nachdem ich mir auf dem Foto das Cover der Zeitung angeschaut habe, sagen, dass es sich wohl eindeutig um eine Boulevard-Zeitung handelt. Die sind ja leider überall auf der Welt nicht viel besser – Hetzkampagnen verkaufen sich leider ziemlich gut… Da gibt’s ja auch immer wieder gute Beispiele in der BILD oder der SUN…
2momorulez
wrote on 21 November 2010 at 12:30
Die Kommentare in der taz sind ja teils finster … an einem Punkt haben sie freilich recht: Das ist eine seit Jahrhunderten schwer gebeutelte Region dieser Erde.
Und weil da kurz auf den grauenhaften Völkermord in Ruanda eingegangen wird – der ist geradezu ein Lehrstück dafür, wie koloniale Strukturen fort wirken und aktuelle, politisch-ökonomische Interessenkonflikte, im konkreten Fall zwischen Frankreich und den USA, in den Ländern in der Nähe des Kongo immer wieder Unheil erzeugen. Kann da nur jedem empfehlen, sich einfach nur durch Wikipedia zu klicken. Da spielen sogar importierte, germanische Rasselehren hinein.
Manchmal glaube ich, dass die Evangelikalen genau deshalb so brutalstmöglich aktiv sind, dass das alles auch ja keiner bemerkt. Das müsste man im Grunde genommen mal typisierend vergleichen mit postrealsozialitischen Staaten in Europa, wo diese Schwulenhatz ja auch von Interessengruppen geschürt wird im allgemeinen Verteilungskampf.
Ergänzend sei erwähnt, dass die “Sünde wider die Natur” exakt so auch vom Papst gepredigt wird, wie es in dem Artikel auftaucht – also jenem, der auf “Weltjugendtagen” wild bejubelt wird, BILD-Headlines “Wir sind Papst” und BRAVO-Poster erhielt. Mit Gruss nach Köln
…
3Maik Heinzel
wrote on 21 November 2010 at 12:35
Ich denke das Hauptproblem ist nicht so eine Zeitung sondern die Einstellung der Ugander zu dem Thema im Allgemeinen. Wenn ich das anhand des Artikels richtig einschätze würde ich mal sagen, die Einstellung in der dortigen Bevölkerung scheint so eine Art Mischung aus fundamentalistischer Gottesfürchtigkeit und 80er-Jahre-mäßiger “Schwule verbreiten AIDS”-Paranoia… Oder seh ich das falsch?
4linksundliberal
wrote on 21 November 2010 at 14:23
@MR:
Ja, erstaunlich, wie viele Uganda-Fachleute es so in der taz-Leserschaft gibt, die auch genau wissen, welche Zeitungen da so gelesen werden. Wobei es der Autorin ja gar nicht um die Zeitung an sich ging, diese diente nur als ein Beispiel. Aber das haben die Kommentatoren wohl nicht kapiert.
“Finster” finde ich die Tatsache, dass auch die taz-Webdesigner nicht begriffen haben, dass man Kommentare anders herum anordnen muss als Artikel, wenn man ein Gespräch ermöglichen will. *seufz*
Hey, wir haben hier überwiegend absolut kritische Katholiken, und diese Weltjugendtagsgeschichte war für die Kölner nur ein drittes Megaevent neben Rosenmontag und CSD.
5Karsten Reisdorf
wrote on 21 November 2010 at 14:25
@MH:
“so eine Art Mischung aus fundamentalistischer Gottesfürchtigkeit und 80er-Jahre-mäßiger “Schwule verbreiten AIDS”-Paranoia…”
Eine Gemengelage, die du auch hierzulande bei Homophoben antreffen kannst.
6Maik Heinzel
wrote on 21 November 2010 at 14:28
Ja, da ist wohl was dran…
7momorulez
wrote on 23 November 2010 at 9:42
http://www.taz.de/1/wahrheit/artikel/1/der-homosexuelle-mann-42/
8linksundliberal
wrote on 23 November 2010 at 9:53
Meine Güte, das Thema wird schon zum zweiten Mal von MSM aufgegriffen? Ich bin überrascht. Nicht darüber allerdings, dass es die taz ist.
Für die übrigen MSM gilt doch das, was die taz den Regierungen vorwirft: Für das Thema ist einfach keine Zeit. Nicht so wichtig, anscheinend.
9momorulez
wrote on 23 November 2010 at 10:08
Wer braucht schon die Schwuppen? Volkswirtschaftlich unnütz. Die braucht allenfalls Herr Döpfner, wenn er so tut, als würde er für die Freiheit kämpfen …
10Atheist
wrote on 6 Dezember 2010 at 14:34
Ich hab damit ein bißchen ein Problem.
Aus christlicher Sicht ist Homosexualität wider die Natur.
Polygamie ebenfalls. Sex außerhalb und vor der Ehe sowieso.
Wenn die Christen dort so einflussreich sind,
darf ich mir die dortigen Menschen dann als entweder christlich keusch oder als verheiratete Ehepaare mit Homophobie vorstellen?
Gibt’s da auch Hetze gegen “widernatürliche Polygamie” etc pp..?