Linkliste

Freitag, 24 September 2010, 8:48 | Category : Aus dem Web gefischt
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09/23/2010
Warum mir bei opponent.de immer schon das kalte Erbrechen kam, fasst der Autor selbst in einem einzigen Video zusammen. more…
09/23/2010
Dass man sich bei 20.000 Doller im Monat immer noch nicht als wohlhabend empfindet, ist schon interessant. Entkoppeln sich da nicht Lebenswelten? more…

8 Comments for “Linkliste”

  1. 1AlexJott

    Ja, bis kurz vorm Ende stimmte ich ihm komplett zu, was seine Kritik am Sozialstaat betrifft – aber gegen Ende, als er dann erzählte, dass es ja nicht sein könne, dass da jemand 500 Kilometer weg von seiner Familie (frei) sein leben gestaltet, also nee, das geht ja gar nicht. Und dass der Sozialstaat “alles bezahlt” ist mir auch neu…

  2. 2Rayson

    Also ich habe generell Probleme, wenn mir Jünglinge wie der die Welt erklären wollen. Tritt aber bei mir erst mit zunehmendem Alter auf…

    Aus meiner Sicht, und ich weiß, dass wir hier wenig übereinstimmen, enthält das, was Kanne da erzählt, ja durchaus einige wichtige Aspekte, die aus meiner Sicht lohnten, weiter diskutiert zu werden. Bei mir ist es aber dieser Absolutheitsanspruch, der mich vor allem stört. Klar neigen Leute mit ähnlicher Meinung wie ich dazu, vor allem die Schattenseiten des Sozialstaats zu beleuchten, weil wir der Meinung sind, dass die positiven Seiten mit viel zu viel Flutlicht bestrahlt werden, aber das mit der reinen Wahrheit und nichts als der Wahrheit zu verwechseln, würde der doch etwas komplexeren Thematik natürlich nicht gerecht.

    Ich bezweifle auch, dass man da einseitig schwarz und weiß malen kann. Die meisten Probleme entstehen dadurch, dass gut gemeinte Absichten negative Anreize zur Folge haben, aber das heißt im Umkehrschluss ja nicht, dass man deswegen sofort auf die Umsetzung der guten Absichten verzichten sollte. Sarrazin-nahes Beispiel: Nur auf Hartz-IV-Niveau ist (zumindest nach Absicht) gesichert, dass für zusätzliche Kinder der entsprechende Grundbedarf zur Verfügung steht. Wer aber arbeitet und dabei nicht besonders viel verdient (ohne unter irgendwelchen zur Zeit diskutierten Mindestlohngrenzen zu liegen), kann von einer solchen Garantie nur profitieren, wenn er zum “Aufstocker” wird. Damit ist dann aber auch einiges vom Arbeitsanreiz weg. Und umgekehrt bringen sich Hartz-IV-Bezieher mit jedem neuen Kind mehr um die Chance, eine Arbeit zu finden, die sie aus dem Unterstützungssystem herausführt. Aber deswegen wird ja keiner dagegen sein, dass einem neu geborenen Kind die Grundbedürfnisse versagt werden. Das ist nun einmal ein Dilemma, das sich, wenn überhaupt, nur außerhalb der hier diskutierten, vor allem materiellen Logik lösen lässt.

    Und damit wiederum ein Hinweis auf Schwächen des Sozialstaats als den alle anderen Hilfesysteme ersetzenden Moloch, als der er sich mir zur Zeit darstellt. Der Sozialstaat verrechtlicht menschliche Nähe. Damit will er die Beziehungen zwischen Geber und Empfänger objektivieren, um Willkür auszuschalten, aber das ist zugleich auch eine bewusste Verengung. Die Verpflichtung, die der Empfänger dem Geber gegenüber empfindet, ist oft eine wichtige soziale Kontrollinstanz, und die schaltet man eben aus, wenn man den Empfänger vor allem zum Inhaber von Rechten erklärt. Deswegen können trotz aller zur Verfügung stehender Gelder dennoch Menschen am unteren Rand an Hunger sterben. Nicht, weil es etwa nicht genug materielle Mittel für sie gegeben hätte, sondern weil sich auf gut Deutsch keine Sau wirklich kümmert.

  3. 3AlexJott

    “Aber deswegen wird ja keiner dagegen sein, dass einem neu geborenen Kind die Grundbedürfnisse versagt werden. ” – Sicherlich meintest Du etwas anderes ;)

  4. 4Rayson

    Niemals nicht! ;-)

  5. 5NUB

    @linksundliberal

    Warum mir bei opponent.de immer schon das kalte Erbrechen kam

    Unterstellst Du dem Kanne nicht implizit – vielleicht ja zu Recht, trotzdem unterstellt – er wolle gar nicht das Soziale? Du kannst ja nicht beweisen oder wissen, dass es unmöglich wäre, das Soziale freiheitlich zu organisieren, sprich aus der Gesellschaft selbst heraus und ohne Zwangsmechanismen. Es ist vielleicht utopisch u.s.w. Aber Du kannst eben nicht genau wissen, dass es überhaupt nicht ginge. Und kannst nicht wissen, dass der Kanne es im Grunde gar nicht will.

  6. 6linksundliberal

    Unterstelle ich ihm das? Hm, vielleicht tue ich das. Ist aber schon als subjektiver Eindruck erkennbar… :)

    Das Soziale war über Jahrhunderte hinweg “aus der Gesellschaft heraus und ohne Zwangsmechanismen” organisiert. Zwang gab es dabei nur für diejenigen, die auf Hilfe angewiesen waren. Sie mussten eben kostenlos ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen, eifrig der von den Reichen und Mächtigen präferierten Religion huldigen oder ihre Kinder zu den von diesen jeweils gewünschten Zwecken zur Verfügung stellen, wenn sie ein Almosen wollten. Wer sich diesen Wünschen nicht beugen wollte, der konnte eben verhungern. Is that your brave new world?

  7. 7NUB

    Wir sind ja nicht mehr im Mittelalter. Vielleicht gäbe es ja heute jenseits der Referenzmodelle neue Konzepte, das soziale privat zu gestalten. Vielleicht, vielleicht ja auch nicht. Es ging darum, das nicht von vornherein zu verneinen. Mit dem Rückgriff auf “Bei den Sklaven war das mal so und so” kann man alles beweisen was man will.

  8. 8linksundliberal

    Okay, vielleicht. Und Marco Kanne liefert ganz konkrete Ansatzpunkte dafür, das neu zu organisieren? Öh, nein.

    Insofern wird mir immer noch schlecht.

    Jede neue Idee willkommen. Ich finde die derzeitige Organisation des Sozialstaates auch grauenvoll. Aber immer noch tausend mal besser als “schaffen wir ihn ab und schauen, was passiert!”

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