Parallelgesellschaft?
Die Artikel bei WELT Online enthalten oft kleine Schätze, die nur in einem losen Zusammenhang mit dem stehen, was im eigentlichen Artikel behandelt wird. In einem von Zettel empfohlenen Artikel über die “Rückkehr der DDR-Pädagogik” (der an sich bereits sehr interessant ist, auch, wenn ich mit Zettel nicht einig bin) findet sich eine kleine Infografik, die sich mit Umfragen unter Migranteneltern in Deutschland beschäftigt. Bei diesen Umfragen geht es um die Einstellung der Migranten zu staatlichen Institutionen und deutschen Schulen – und wer sich die Ergebnisse ansieht, bekommt große Schwierigkeiten, die Theorie von den sich immer weiter ausbreitenden Parallelgesellschaften zu halten.
Denn offenbar haben Migranten, deren Kinder in Deutschland zur Schule gehen, durchweg ein höheres Vertrauen in deutsche Institutionen als die deutsche Gesamtbevölkerung. Während sich die Werte bei der Polizei noch decken (jeweils drei Viertel beider Gruppen äußern sich vertrauensvoll gegenüber der Polizei), gehen sie bei Gerichten (76 zu 58) und vor allem bei den Schulen (62 zu 32) stark auseinander. Und sogar den deutschen Parteien trauen die migrierten Eltern mehr als die Gesamtbevölkerung – sofern man bei 18 bzw. 12 Prozent überhaupt noch von Vertrauen sprechen kann.
Und auch, wenn Kinder in der Schule scheitern, suchen die Migranten die Schuld zunächst einmal bei sich selbst – in der Familie wird nicht genug Deutsch gesprochen, den Kindern fehlt es an Sprachkenntnissen und Unterstützung beim Lernen zuhause, diese selbstkritischen Ursachen bennenen jeweils rund siebzig Prozent der Befragten. Diskriminierung der Kinder im Schulsystem hingegen betrachtet nur zwischen einem Drittel und der Hälfte der Migranten als Ursache.
Man sieht also, dass die überwiegende Mehrheit der Eltern mit Migrationshintergrund sich mit ihren Kindern nicht in Parallelgesellschaften verabschieden will, sondern im Gegenteil die deutschen Institutionen schätzt und die eigenen Versäumnisse bei der Förderung ihrer Kinder kritisch hinterfragt. Mehr Angebote statt mehr Zwang muss also der Weg lauten – und Panikmache vor integrationsunwilligen Ausländern ist völlig fehl am Platze.





