Mal langsam: Die Gesundheitsprämie
In der Diskussion um die beiden neuen Konzepte für die gesetzliche Krankenversicherung in Deutschland herrscht wenig Sachlichkeit. Die Gesundheitsprämie wurde von der derzeitigen Opposition ohne große Differenzierung als “unsozial” abgekanzelt und nur unter dem Aspekt diskutiert, dass der Chefarzt dann ja den gleichen Beitrag zahlen würde wie die Krankenschwester. Was allein deswegen Unfug ist, weil der Chefarzt sich augenblicklich ja auch nicht in der gesetzlichen Krankenversicherung befindet und bei gutem Gesundheitszustand möglicherweise effektiv sogar weniger bezahlt als die Oberschwester, die viele Überstunden ausbezahlt bekommt. In diesem Beitrag und einem Schwesterbeitrag, der sich hier befindet, möchte ich ein paar Punkte ansprechen, die für bzw. gegen die beiden Konzepte “Gesundheitsprämie” und “solidarische Bürgerversicherung” sprechen – jeweils im Vergleich zu derzeitigen System. In einem dritten Beitrag will ich dann, nach der (hoffentlich anregenden) Diskussion die beiden Systeme direkt miteinander vergleichen und die Frage nach möglichen Kompromissen stellen.
Vorteile der Gesundheitsprämie
- Einnahmestabilität: Das wichtigste Ziel, das mit einer Gesundheitsprämie erreicht wird, ist die Einnahmestabilität. Durch einen einheitlichen Beitrag pro Patient werden die Einnahmen der Krankenkassen von der Konjunktur unabhängig. Bisher ist es ja so, dass zwar die Kosten des Gesundheitssystems stets stiegen, die Einnahmen der Krankenkassen aber entsprechend der Konjunktur (Arbeitslosigkeit, Lohnerhöhungen, Lohnverzicht) schwankten.
- Verzerrungen: Zwischen Einnahmen und Ausgaben der GKV existieren derzeit erhebliche Verzerrungen, wenn sie etwa besonders viele gut verdienende oder besonders viele schlecht verdienende Menschen beschäftigen; ebenso kann die beitragsfreie Mitversicherung dann ein Problem werden, wenn besonders viele Familien über die entsprechende GKV versichert sind, da dann erheblichen zusätzlichen Ausgaben für die Gesundheitsversorgung der Ehepartner und Kinder keine zusätzlichen Einnahmen der GKV gegenüberstehen.
- Sozialausgleich über den Versichertenkreis hinaus: Gegenüber dem derzeitigen System, in dem sich am Sozialausgleich nur die Versicherten beteiligen, Beamte und Besserverdienende also außen vor sind, hat die Gesundheitsprämie den Vorteil, dass über das Steuersystem alle Steuerzahler am sozialen Ausgleich beteiligt sind, wenn es durch zu geringes Einkommen zu einem Zuschuss aus dem Gesundheitsfonds kommt.
- Eindeutigere Beitragsänderungen: Indem der Versicherte unmittelbare Zahlen für eventuelle Beitragserhöhungen bekommt, lässt sich für ihn die Entwicklung der Gesundheitskosten leichter erkennen als durch Verschiebungen im 0,1%-Bereich. Durch den festen Arbeitgeberbeitrag sinkt auch die Dissonanz zwischen dem vom Arbeitnehmer wahrgenommen Gehalt (“Ich bekomme immer weniger!”) und den vom Arbeitgeber wahrgenommenen Arbeitskosten (“Die Arbeitnehmer kosten immer mehr!”)
Nachteile der Gesundheitsprämie
- Alimentierungsgefühle: Da eine große Zahl von Arbeitnehmern staatliche Zuschüsse zur Versicherungsprämie wird beantragen müssen, steigt bei ihnen das Abhängigkeitsgefühl gegenüber staatlichen Leistungen.
- Zusätzliche Bürokratie: Die Sozialbürokratie wird um weitere Bedürftigkeitsprüfungen steigen, damit der jeweilige Zuschuss zur Versicherungsprämie geprüft bzw. ein Anspruch darauf festgestellt werden kann.
- Minderjährige: Die Kinder von Privatversicherten würden zwar in die Leistungen des Gesundheitsfonds mit einbezogen, die Privatversicherten würden aber keinen Beitrag zur Finanzierung dieses Systems leisten.
Für weitere Vor- und Nachteile sowie eine sachliche Diskussion wäre ich dankbar.





1Desillusionierter
wrote on 30 August 2010 at 21:26
Hallo Karsten !
Vielleicht kommen wir ja heute zusammen, so ohne Islam…
Deshalb gibt es auch keine Lösungsansätze, nur ein paar Gedanken…
Ich glaube, dieses Thema muss viel weiter vorne angegangen werden !
Müssten wir nicht -wenn wir was zu sagen hätten- erst einmal festlegen wohin wir wollen ?
Es heisst immer nur, wer soll das bezahlen ?!
Eine Festlegung dessen, was die KV leisten soll, wäre anzuraten, bevor ! man sich über die Kostenseite unterhält.
Krankheiten :
Kommission vornehmen, und ja, auch da wird es Ungerechtigkeiten geben…
Muss denn wirklich jeder Schnupfen, jede Angina etc. über die KV abgerechnet werden ? Oder soll uns die KV gegen wirkliche Härtefälle absichern wie Unfälle oder notwendige Operationen. Vorsorgeuntersuchungen für Kinder halte ich für notwendig, gleiches gilt für chronisch schwer Kranke; aber z.B. Heuschnupfenallergie würde ich nicht darunter nehemen.
Die Qualifizierung dieser Krankheiten kann ja eine unabhängige
Für den Rest kann man ja Zusatzversicherungen abschliessen.
Beiträge :
Gröbstes Beispiel, : zwei Facharbeiter, einer solo, einer vh. ohne Kinder, gleicher Lohn. Warum soll der Alleinstehende die Frau des anderen mitversorgen.
Medizin bis zum Letzten :
Ein Mensch in unserer alternden Gesellschaft verursacht in den letzten Lebensjahren enorme Kosten, das ist Fakt ! Muss man diese arnmen Leute -weil es machbar ist und Geld bringt- wirklich als
ZombiesHilflose, der Apparatemedizin ausgelieferte, weitervegetieren lassen.Kann man da nicht -einfach nur den Schmerz lindernd- jemand in Ruhe sterben lassen ?
Ist ein sehr strittiges Thema, ich weiss, trotzdem bin ich der Meinung , da läuft vieles schief.
Fürs Protokoll : Ich habe meine Mutter eineinhalb Jahre begleitet und mein Sohn war bis vor kurzem als Zivi im Altenpflegeheim.
So richtig passt das jetzt nicht auf Deine Frage, Du kannst diese Zeilen auch in die Rundablage befördern, so Du willst.
Aber -siehe oben- ich halte den bisherigen -und von der Politik immer weiter betriebenen- Kostenverteilungsansatz für fehlerhaft. Er produziert eben Kosten, aber keine Gesundheit…
Auch aufgrund des demografischen Factors wird in Bälde die “Wir machen Alles für jeden”-Haltung nicht mehr zu finanzieren sein.
Herzlichst
Desillusionierter
PS: Eine Vorschaufunktion wäre toll !
2linksundliberal
wrote on 31 August 2010 at 10:21
An der Vorschaufunktion arbeite ich. Ich muss auch die Texte im Kommentarfeld mal übersetzen, fällt mir gerade auf…
Krankheiten: Ja, aber… gerade Senioren, bei denen schon kleine Krankheiten erheblich schlimmere folgen haben können, gehören zu denen, die es sich am wenigsten leisten können, die Kosten selbst zu tragen. Wir brauchen auf jeden Fall ein System, bei dem die Leute in jüngeren Jahren mehr zahlen, weil sie in späteren Jahren definitiv mehr brauchen, denke ich.
Beiträge: Ist einer der Gründe, die für mich für die Gesundheitsprämie sprechen.
Medizin bis zum Letzten: Die Zahl derer, die lieber palliativ behandelt werden als bis zum letzten Moment an Geräten und Schläuchen zu hängen, steigt ja von ganz allein.
Und warum sollte dein Kommentar in die Rundablage gehen? Nachdem ich drüben schon keine Kommentare bekommen habe, wie ich sie eigentlich erhofft habe, habe ich mich damit abgefunden, dass die von mir gewünschte Diskussion keiner haben will. Da kann man dann auch einfach so diskutieren.
3Rayson
wrote on 27 Mai 2011 at 0:41
Das da oben ist Spam, der unter anderen “Nutzernamen” in anderen Blogs auch so als Kommentar erschien…